Die politischen Entwicklungen des Nachbarlandes mit Expert:innen diskutieren? Mehr zu den Hintergründen tagesaktueller Entscheidungen erfahren? Sich eine fundierte Meinung bilden? Die interaktive Online-Veranstaltungreihe ‚Was Frankreich bewegt‘ der Bergischen Universität Wuppertal, der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, des Institut français Deutschland und des Studienkomitees für deutsch-französische Beziehungen (Cerfa) setzt es sich zum Ziel, Frankreichs National- und Europapolitik einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Laura Wiemer, Projektverantwortliche und Doktorandin an der Bergischen Universität Wuppertal gibt Einblicke in die Idee, die Genese und die aktuellen Veranstaltungen
eines gesellschaftsrelevanten Lehr- und Third Mission-Projekt am Puls der Zeit.
Interview: Teresa Hiergeist
Schnitt: Mariana Arrién
Zur Veranstaltungsreihe ‚Was Frankreich bewegt‘
Auch wissenschaftliche Diskurse sind nicht gefeit vor diskriminierenden Mustern. So werden in ihnen häufig die immer selben Namen zitiert von weißen, europäischen Männern und auch in Bereichen, die sich nach außen hin als objektiv positionieren, wie beispielsweise dem medizinischen Diskurs, gibt es gewisse häufig unreflektierte Verzerrungseffekte. Wie geht man als feministische Forschende, aber auch als weiblich gelesene Patientin mit diesen Umständen um? Hannah Volland erzählt uns von feministischen Forschungshaltungen, erklärt uns, was es mit dem Begriff Autotheorie auf sich hat und warum ‚Les allongées‘ im gleichnamigen Essay von Martine Delvaux und Jennifer Bélanger ein Begriff ist, der sich nicht nur auf kranke Frauen beziehen lässt.
Interview: Stefanie Mayer
Schnitt: Mariana Arrién
Textpassage aus:
Delvaux, Martine; Bélanger, Jennifer 2022: Les allongées. Montréal: Heliotrope
Zum Weiterlesen:
Sara Ahmeds Blog feministkilljoys
Johanna Hedvas Blog SickWomanTheory
Delvaux, Martine 2019: Le boys club. Montréal: Les éditions du remue-ménage
Sitzen, beobachten und alles dokumentieren, was sich zeigt – und das über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten. Auf eine solche Idee kann nur ein Mitglied der Avantgarde kommen. Dr. Benjamin Loy, bis dato post doc an der Universität Wien, von nun an frisch gebackener Professor für iberoromanische Literaturwissenschaft an der LMU München, hat in einem außergewöhnlichen Lehrexperiment mit seinen Studierenden auf den Spuren Georges Perecs ausprobiert, wie sich die Wahrnehmung verändert und welche neuen Realitätsdimensionen sich auftun, wenn man die Stadt Wien auf sich wirken und sprechen lässt.
Interview: Teresa Hiergeist
Schnitt: Mariana Arrién
Reinklicken ins Wiener Projekt
Georges Perecs Experiment Lieux
Das gelesene Zitat stammt aus: Georges Perec: L’infra-ordinaire. Paris: Seuil 1989, S. 12.
Serien sind ein bevorzugtes Medium, um marginalisierte Identitäten zu
erforschen, wie zum Beispiel die LGBTI-Community. Im
französischsprachigen Raum ist Féminin/féminin ein gutes Beispiel dafür:
Anhand von Frauenfiguren, die sich in Montreal bewegen, hinterfragt die
Regisseurin Chloé Robichaud unsere Vorstellungen von zeitgenössischen
queeren Weiblichkeiten. Charlotte Kaiser, wissenschaftliche
Mitarbeiterin an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, erklärt,
inwiefern die Arbeit der Regisseurin sowohl unsere Vorstellungen als
auch die Frage des feministischen, lesbischen und queeren Aktivismus
hinterfragt und wie wichtig es ist, Leben zu dokumentieren, die heute
noch marginalisiert und diskriminiert werden.
Interview: Alex Lachkar
Schnitt: Mariana Arrién
Zur Monographie: Charlotte Kaiser, Agentivité queer. Une
conceptualisation transdisciplinaire de féminités queer dans le film et
le militantisme à Montréal et à Berlin, Würzburg, Königshausen und
Neumann, 2023.
Kampagnen wie #metoo, #EndRapeCulture oder #balancetonporc, zahlreiche medial intensiv begleitete Gerichtsverfahren, neue Protestformen wie NiUnaMenos oder die Choreographie UnVioladorEnTuCamino: Auf den ersten Blick scheint das langwährende Schweigen rund um sexualisierte Gewalt gebrochen. Und doch wird nur ein Bruchteil aller Übergriffe gemeldet, victim blaming bleibt eine häufig angewandte diskursive Strategie und Scham, Angst und Trauma verhindern, dass die erlebte Gewalt sicht- und hörbar gemacht wird. Das gilt insbesondere für jene Betroffene, die intersektionaler Diskriminierung ausgesetzt sind. Auch in der Literatur ist sexualisierte Gewalt kein neues Thema. Ana Nenadović, Lecturer an der SOAS University of London, zeigt anhand von Romanen aus Brasilien, Mexiko und Südafrika die unterschiedlichen Formen und Funktionen des Sprechens, aber auch des Schweigens über sexualisierte Gewalt auf.
Interview: Stefanie Mayer
Schnitt: Mariana Arrién
Zur Monographie: Nenadovic, Ana 2023: Zwischen Schweigen und Sprechen. Sexualisierte Gewalt gegen Frauen in lateinamerikanischer und südafrikanischer Literatur. Bielefeld: transcript.
Erwähnte Romane:
Bolaño, Roberto 2010: 2666. Barcelona: Anagrama
Lisboa, Adriana 2013: Sinfonia em branco. Rio de Janeiro: Alfaguara
Mda, Zakes 2002: The Madonna of Excelsior. New York: Picador.
Rivera Garza, Cristina 1999: Nadie me verá llorar. Barcelona: Tusquets
Wicomb, Zoë 2001: David’s Story. New York: Feminist Pr.