Die sozialen Ungleichheiten und nicht selten prekären Formen von Staatlichkeit in Lateinamerika haben im Laufe der Geschichte und bis heute zur Ausprägung vielfältiger Formen alternativer Souveränität geführt. Jan-Henrik Witthaus, Professor für spanische Literaturwissenschaft an der Universität Kassel, untersucht im Rahmen eines DFG-Forschungsprojekts mit seinem Team solche Phänomene einer „kleinen Souveränität“ anhand lateinamerikanischer Prosa-Texte, in denen Herrscher:innen des Alltags auftreten, die in ihren zunächst überschaubaren Wirkungsfeldern – wie dem Büro oder dem Drogenhandel – den Einfluss staatlicher Macht und Kompetenzen zurückdrängen.
Interview: Benjamin Loy
Schnitt: Mariana Arrién
Zum Forschungsprojekt von Jan-Henrik Witthaus
Der gelesene und besprochen Ausschnitt stammt aus: Juan Gabriel Vázquez: El ruido de las cosas al caer. Alfaguara 2011. Von diesem Text existiert auch eine Reclam Fremsprachenausgabe
Am Institut für Romanistik Wien gibt es seit ein paar Monaten Caffè con Pulcinella – eine Gruppe, in der sich Studierende mit und ohne Beeinträchtigung über Literatur, Studieninhalte und ihren Alltag austauschen können. Valeria Flavia Gubitosi erzählt, wie sie auf die Idee kam, diese Gruppe ins Leben zu rufen und was das alles mit Pulcinella aus der commedia dell’arte zu tun hat.
Interview: Teresa Hiergeist
Schnitt: Mariana Arrién
Caffè con Pulicinella findet im Sommersemester 2023 freitags um 17 Uhr in der Romzone im 1. OG statt. Schaut gerne vorbei!
Zum Blog von Valeria
Caffè con Pulcinella auf Instagram
Ihr wollt mehr über Pulcinella erfahren? Simone Visciola hat ein ganzes Zeitschriftenheft mit Aufsätzen zu der Figur der commedia del’arte herausgegeben!
Abtreibung bleibt ein stark diskutiertes Thema, das mit Emotionen, Ideologien und Politik verflochten ist. Egal ob als moralisch nicht vertretbarer Eingriff oder als notwendige Möglichkeit zur Selbstbestimmung, selten wird die Abtreibung selbst als etwas Positives beschrieben. Auch in literarischen Texten ist das Thema meist mit Tabuisierung, gesellschaftlichen Stigmata, persönlichen Konflikten und Gesundheitsrisiken als Folge illegaler Abtreibungen verknüpft. Vera Wurst, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin an der FU Berlin, spricht über das feministische Potenzial fantastischer Literatur und erklärt wie Samanta Schweblins Cuento „Conservas“ (2009) diesen Diskurs verkehrt und als Kritik an patriarchalen Strukturen gelesen werden kann.
Interview: Stefanie Mayer
Schnitt: Mariana Arrién
Zum Weiterlesen: Wurst, Vera Lucía (2022): „La maternidad ominosa y la fantasía del aborto bueno en ‘Conservas’ de Samanta Schweblin”. In: Sarah Burnautzki /Daniela Kuschel / Cornelia Ruhe (Hg.). Au-delà de la littérature fantastique et du réalisme magique / Más allá de la literatura fantástica y del realismo mágico. Berlin: Peter Lang Verlag, 191-205.
Das ausgehende 19. Jahrhundert und das beginnende 21. Jahrhundert in Frankreich besitzen eine Gemeinsamkeit: Debatten um soziale Ungleichheit und soziale Marginalität haben infolge von Liberalisierung, Globalisierung und Migration Konjunktur. Julia Waygand und Alexandra Wölfle, Masterstudierende des Instituts für Romanistik gehen anhand von Victor Hugos Roman Les misérables (1881/2) und Ladj Lys Kinofilm Les misérables (2019) der Frage auf den Grund, wie soziales Elend und Vorstellungen von Handlungs(ohn)macht in beiden Kontexten miteinander verknüpft sind.
Schnitt: Mariana Arrién
Victor Hugos Roman _Les misérables _(1881/2) zum Download
Weitere Infos zum Film Les misérables
Interview mit Ladj Ly vom Deutschlandfunk Kultur über den Film Les misérables (2019)
Im 19. Jahrhundert florieren in Frankreich Salons und Kunstzeitschriften. Die bürgerliche intellektuelle Öffentlichkeit interessiert sich verstärkt für die Künste. Und immer häufiger tauchen auch in literarischen Texten Maler:innen auf. Dr. Şirin Dadaş, post doc an der Freien Universität Berlin, klärt darüber auf, wie diese fiktiven Malerfiguren einen Beitrag zu Kunstdebatten der damaligen Zeit leisten und wie sie die Potenziale des Mediums ‚Gemälde‘ in einer sich modernisierenden Gesellschaft ausloten.
Interview: Teresa Hiergeist
Schnitt: Mariana Arrién
Zur Dissertation von Şirin Dadaş: Von Bildern reden. Kunstkritik und Malerroman im Frankreich des 19. Jahrhunderts
Émile Zola: L’œuvre (1886) gratis Download