Als Frau mit algerischem Migrationshintergrund schreibt Nina Bouraoui aus einer doppelt marginalisierten Position. Wie lassen sich Identitäten und Erinnerungen schriftstellerisch ausdrücken in literarischen Strukturen, die von heteronormativen und eurozentrischen Traditionen durchzogen sind? Sophia Schnack, postdoc an der Universität Wien, profiliert anhand des Romans Mes mauvaises pensées (2015, Prix Renaudot) die körperliche Schreibweise als Möglichkeit der Infragestellung bestehender Machtstrukturen.
Interview: Alex Lachkar
Schnitt: Mariana Arrién
Mes mauvaises pensées in der UB Wien
Sophia Schnacks Dissertationsschrift zu Nina Bouraoui
Kolonialistische Diskurse und Strategien des Otherings durchziehen im Frankreich des 19. Jahrhunderts nicht nur die politischen Debatten, sondern hinterlassen ihre Spuren in sämtlichen Bereichen des lebensweltlichen Alltags. Dies macht sich auch in der Kinder- und Jugendliteratur bemerkbar, für die die Verhandlung des politischen und gesellschaftlichen Zusammenlebens zu jener Zeit eine zentrale Rolle spielt. Tamara Lampl, Studentin des Master Romanistik der Universität Wien, erklärt am Beispiel des Jugendbuchs Perlette(1887) von Jeanne Cazin, in welcher Form sich kolonialistische Machtstrukturen literarisch artikulieren können.
Interview: Teresa Hiergeist
Schnitt: Mariana Arrién
Perlette zum gratis Download (pdf)
Zur Vertiefung: Philip Dine: „The French Colonial Empire in Juvenile Fiction. From Jules Verne to Tintin“, in: Historical Reflections 23.2 (1997), 177-203.
Kaum etwas hat unsere Gesellschaft in den letzten Jahren so sehr geprägt wie die Corona-Pandemie. Kein Wunder, dass sie auch ihre Spuren in Literatur und Kino hinterlassen hat. Dr. Julia Obermayr, Mitarbeiterin am Projekt ‚Corona Fictions‘ der TU Graz, erklärt, welche gesellschaftlichen und kulturellen Themen die Pandemie aufgeworfen hat und mittels welcher Ästhetiken sie zur Verhandlung gelangen.
Interview: Teresa Hiergeist
Schnitt: Mariana Arrién
Mehr zum Projekt Corona Fictions und zur Liste der literarischen und filmischen Werke zur Pandemie
Corona Fictions auf Youtube
Zum Weiterlesen:
Yvonne Völkl / Julia Obermayr / Elisabeth Hobisch (Hg.) Pandemic Protagonists, transcript, 2013.
Obermayr, Julia/Völkl, Yvonne: “Corona Fictions as Cultural Indicators of Social
Cohesion and Resilience in the Wake of the Covid-19 Pandemic”, in:
Momentum Quarterly 11/2 (2022), 129-142.
Durch den spatial turn in den Kultur- und Sozialwissenschaften wurde dem geographischen Raum auch innerhalb der Literaturwissenschaften wieder mehr Bedeutung beigemessen. Stefano Fogarizzu, postdoc an der Romanistik Wien, spricht über den sardischen Literatur- und Kulturraum als ‚Semiosphäre‘ und erklärt, weshalb es sich lohnt, Francesca Combosus Sa bida est amore (1982) in der Literaturgeschichte Sardiniens zu berücksichtigen.
Interview: Stefanie Mayer
Schnitt: Mariana Arrién
Die rumänische Literatur und die Rumänistik erscheinen innerhalb der Romanistik häufig nur am Rande. Dies ist umso verwunderlicher mit Blick auf die reiche Geschichte der rumänischen Sprache, Kultur und Literatur mit ihren vielfältigen und kosmopolitischen Ausprägungen in der Moderne. Über die transnationale rumänische Avantgardeliteratur forscht Iulia Dondorici, die sich zugleich für eine Stärkung der Rumänistik innerhalb des romanistischen Fachpanoramas engagiert.
Interview: Benjamin Loy
Schnitt: Mariana Arrién
Zum Forschungsprojekt von Iulia Dondorici
Lektüreempfehlung zur rumänischen Gegenwartsliteratur:
Gabriela Adamesteanu: Verlorener Morgen. Übers. aus dem Rumänischen von Eva Ruth Wemme. Die Andere Bibliothek 2018.
Gabriela Adamesteanu: Das Provisorium der Liebe. Übers. aus demrumänischen von Eva Ruth Wemme. Aufbau Verlag 2021.