In dieser Folge spricht Anna Hell über ihr Dissertationsprojekt zur Laterna magica als Gegenstand kollektiver und individueller Erinnerung in der Literatur des 20. Jahrhunderts, mit Fokus auf das Medium als Gedächtnismetapher und poetologisches Modell. Sie erläutert, wie aus einer breiten internationalen Korpussichtung, einschließlich globaler Rezeptionspfade nach Japan, eine Typologie der „Laternenliteratur“ entsteht. Beispiele aus der (erweiterten) Romania umfassen etwa Marcel Proust, Giuseppe Raimondi, Léon-Paul Fargue oder Paul Laraque. Sichtbar werden dabei intermediale Wechselwirkungen, Re-mediation und Mediennostalgie sowie Kontraste zwischen autobiographischer Selbstbespiegelung und kolonialen Projektionen des Anderen.
Interview: Julia Waygand
Schnitt: Julia Waygand
Die Laterna magica ist ein Medium für Lichtbildprojektionen, das Mitte des 17. Jahrhunderts mutmaßlich vom niederländischen Physiker Christiaan Huygens erfunden wurde und sich vor allem während des 19. Jahrhunderts zum Massenmedium entwickelte.
Für einen visuellen Eindruck der hier beschriebenen Funktion einer Laterna magica, Glasbild-Varianten mit Bewegungsillusion sowie Literaturadaptionen für die Laterna magica empfiehlt Anna Hell das Video zu „Charles Dickens and the Magic Lantern“ des British Film Institute: https://youtu.be/omuDMHj0TZY?si=bMqjOhlX43szD06L
Für den kurz erwähnten japanischen Kontext bietet außerdem die Waseda University eine hilfreiche Datenbank: „‚Utsushi-e‘ lantern slides owned by the Theatre Museum“: https://archive.waseda.jp/archive/subDB-top.html?arg={%22item_per_page%22:20,%22sortby%22:[%22%22,%22ASC%22],%22view%22:%22display-simple%22,%22subDB_id%22:%22124%22}&lang=en
Für eine Live-Performance der Gruppe Minwaza Company of Tokyo an der University of Chicago siehe: „Japanese Magic Lantern Performance“: https://youtu.be/wCUBhhdiU9w